Parkhaus Salvatorgarage

Ein stählerner Garten inmitten der Münchner Altstadt
Vertrieben aus dem Paradies ist der Mensch schon lange. Schuld daran ist wohl nicht nur Eva, das Wissenwollen und die Gier, auch der Umgang mit der Technik entfernte den Menschen von der Natur - das Auto sowieso.

Aufgabe :
Das Gutachten aus dem Sommer 2004 intendierte die Entwicklung eines Konzeptes für die geplante Aufstockung des Parkhauses am Salvatorplatz 3 in München. Im Rahmen der Sanierung des Büro- und Garagengebäudes wurde das Parkhaus um 2 1/2 Geschosse erhöht. Die Gestaltung der neuen Fassade war im Hinblick auf die historische Umgebung und das Bestandsgebäude, das sowohl als Einzeldenkmal unter Denkmalschutz steht, sowie auch im Umgriff eines Ensemblebereichs liegt, von großer Bedeutung, denn das Büro- und Garagengebäude befindet sich inmitten der Münchner Altstadt: Direkt an das Parkhaus angrenzend findet man die Reste der ehemaligen, mittelalterlichen Stadtmauer, sowie Teile des Jungfernturms von 1430. Das bestehende Parkhaus von Franz Hart (1964/ 1965) orientiert sich in seiner Materialität an den Resten der Stadtmauer. Die freiliegende Ziegelmauer wurde dort aufgenommen und weitergeführt.

Ansatz :
Entstanden ist ein Garten für Autos über den Dächern von München. Ein technischer, paradiesischer Ort in ornamentalem Funktionalismus, üppig und gleichzeitig industriell gestaltet. Er ist eine vitale Alternative zu den puristischen, schmucklosen Parkhäusern, ist eine Architektur, die über die reine und demonstrative Funktionserfüllung hinausgeht, die Opulenz nicht ausschließt. Die verzinkte Fassade eine ornamentale Hülle - nicht mehr und nicht weniger.

Computergeneriert :
Das Muster der neuen Fassade aus verzinktem Stahl ist nicht ein zufälliges Mikado von Stahlstäben, auch kein rhythmisches Arrangement, sondern es wurde computergeneriert. Ausgehend von Stäben in der Breite des dünnformatigen Ziegels des Bestandsgebäudes und einer Stablänge von 1,50 m wurde digital ein ornamentales Geflecht entwickelt. Dieses bildet die lebende Natur nach und ist dabei aber keine florale Girlande, sondern es bildet sich aus sich im Computer selbst generierenden Wachstumsstrukturen. Wachstum wurde nach den Gesetzen der Mathematik simuliert. Der Entwurfsprozess wurde also der Technik anvertraut

Computergesteuert :
Die Bestandsgebäude sind jeweils Stahlbetonskelettbauten, die mit Klinkermauerwerk verkleidet sind. Bei der Parkhausaufstockung handelt es sich um eine Stahlkonstruktion mit Stahlbetonverbunddecken. Die Fassade wurde aus verzinkten Stahlplatten hergestellt. Das »Fassadennetz« ist nicht etwa geknüpft, geschraubt oder geschweißt, sondern als Muster aus Stahlplatten (St 37, d=30 mm; Plattengröße 2,50 x 8,50 m) ausgeschnitten. Dabei wurden die computergenerierten Daten direkt an die maschinelle Produktion – nämlich computergesteuerter Plasma- Schneidegeräte - übergeben, ohne die Handzeichnung des entwerfenden Architekten. Die Fassade,von insgesamt 950 m², legt sich bandartig um die Aufstockung und bildet eine transparente Hülle für die neuen Parkdecks. Entstanden ist eine neue Art von Garten.
Projekttitel: Parkhaus Salvatorgarage
Architekt, Architektin, Architekturbüro:
Studio für Architektur
aus: München
Fotonachweis:
Florian Holzherr, Gero Wortmann
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